Comment by TraceConsult™: U.S. Landwirte erkennen endlich, dass Glyfosat, der aktive Wirkstoff im Herbizid Roundup, „ein ernstes, ernstes Problem“ darstellt. Zugleich gibt ein Monsanto-Sprecher öffentlich zu erkennen, dass sein Unternehmen der Agrarbranche in der ersten Roundup-Phase vor 15 Jahren etwas mehr „Unterweisung“ hätte angedeihen lassen können. Die Spitze aber ist es, wenn ein hochrangiger Vertreter eines Farmer-Verbandes im Mittleren Westen versucht, all dies weg zu erklären, indem er auf die Versuchung hinweist, die von der Anwendungs-Leichtigkeit des Herbizids ausgegangen sei, welche Farmer „in Wohlbehagen einlullt“.
Eineinhalb Jahrzehnte lang hat jedermann, der irgendwie mit der amerikanischen Agrarbranche zu tun hat, ausgehend von den Landwirten selber, einschliesslich der grossen Agrarkonzerne bis hin zu den Landwirtschafts-Attachés an den amerikanischen Botschaften weltweit, sowohl europäische Verbraucher als auch Politiker und Industrievertreter, die Verbraucherwünschen nachkommen, wegen ihrer Ablehnung von GMOs für schwachsinnig erklärt. Zugleich bekamen weder amerikanische noch ausländische Wissenschaftler je eine richtige Gelegenheit, ihre Besorgnisse ausreichend darzutun.
Erst jetzt, wo das Problem eindeutig auf ihren Sojafeldern des Mittleren Westens angekommen ist, scheinen die Verantwortlichen endlich aufzuwachen und entschuldigen sich zugleich damit, es sei in der Vergangenheit für sie zu einfach gewesen!
Es ist an der Zeit, die Risiken und Gefahren um das Herbizid Roundup, Glyfosat und ihre biologische Entsprechung, in erster Linie Roundup Ready Soja, zu analysieren und Entscheidungsträger weltweit in Wirtschaft und Politik zu informieren.
In den U.S.A. richten sich die Besorgnisse in erster Linie auf wirtschaftliche Aspekte aufgrund der Herbizidresistenzen bei Glyfosat. Bereits im Mai 2009 berichtete jedoch die Financial Times über eine Reihe zusätzlicher Probleme, die durch das GVO-bezogene Herbizid verursacht werden. Der Fokus lag dabei hauptsächlich auf Argentinien, einem Land, das damals schon zu praktisch 100 Prozent GVO-Soja in Monokultur anbaute. Seinerzeit zitierte das Blatt den Monsanto-Chef Hugh Grant mit den Worten: „Ich mache mir keine allzu grossen Sorgen über die Studie. Ich halte die Untersuchung für wackelig.“ Wir möchten vermuten, dass er jene Aussage heute nicht weiter aufrecht erhält.
Möglicherweise sollten einige Europäer ebenfalls aufwachen. Greenwashing-Programme wie der RTRS (Roundtable on Responsible Soy), bislang nicht im mindestens besorgt über den Einsatz von Roundup, sowie seine Marketing-Partner, dürften gut beraten sein, diese Berichte aus den U.S.A. zur Kenntnis zu nehmen. Schliesslich wurde die Nachricht auch über das weltweit führende Soja-Portal, Soyatech.com, verbreitet, nachdem sie zwei Tage zuvor in Monsantos „Lokalzeitung“, dem St. Louis Post-Dispatch veröffentlicht worden war.
Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein sind an der praktischen Realität zu messen. Und nicht an erzielten Marketing-Erfolgen.
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Übersetzung und Hervorhebungen durch TraceConsult
Roundups Wirksamkeit lässt nach und durchkreuzt Erwartungen bei Farmern
St. Louis Post-Dispatch (MO) – 25. Juli 2010 – Vor allen Anderen bemerkten Farmer in den Südstaaten das Problem. Wenn sie ihre Felder mit dem Herbizid Roundup besprühten, wuchs das Unkraut trotzdem weiter. In einigen Gegenden sind Felder so stark verunkrautet, dass die Landwirte sie aufgeben mussten.
Farmer im Mittleren Westen beobachten die Schwierigkeiten im Süden. Roundup, bzw. sein Inhaltsstoff Glyfosat, wird bei genetisch modifizierten Pflanzen eingesetzt, um Herbizid zu tolerieren; es ist damit das meistverbreitete Produkt in der amerikanischen Landwirtschaft geworden. Es steht für weniger Herbizideinsatz. Weniger umweltschädliche Bodenbearbeitung. Und es hat dem in Creve-Coeur beheimateten Entwickler des Roundup Ready-Systems, Monsanto, dazu verholfen, der dominante Player in der Saatgut-Branche zu werden. Mittlerweile aber beginnt diese Wunderwaffe amerikanischer Landwirtschaft ihr Ziel zu verfehlen. Die Herbizid-resistenten Unkräuter, die die Südstaaten-Farmer heimsuchen, treten nun in Missouri mit ähnlicher Hartnäckigkeit auf.
„Es ist ein ernstes, ernstes Problem“, meint Blake Hurst, ein Mais- und Sojafarmer im Nordwesten Missouris und stellvertretender Vorstand des Bauernverbandes von Missouri. „Je weiter man nach Norden kommt, umso geringer ist das Problem zur Zeit noch. Farmer bestreiten, dass es sie betreffen wird. Aber raten Sie mal: Es ist auf dem Weg auch zu ihrer Farm!“
Bis heute findet man Glyfosat-resistente Unkräuter in mindestens 22 Bundesstaaten. Vergangenen Monat bestätigten Wissenschaftler aus Missouri, dass Herbizid-resistente Dreilappige Ambrosie auf zwölf Farmen vorgefunden wurde, womit die Gesamtzahl Herbizid-resistenter Unkräuter in dem Staat auf fünf angewachsen ist.
„Es besteht keine Frage: Glyfosat ist das Herbizid des Jahrhunderts“, sagt Kevin Bradley, ein Unkrautforscher an der Universität von Missouri, der die Untersuchung zur Dreilappigen Ambrosie durchführte. „Das Problem ist, dass Glyfosat so gut ist, dass es die Farmer ein bisschen verzogen hat … Wir dürfen nicht fortfahren, das System weiterhin zu missbrauchen, was nur daraus besteht, Roundup Ready-Soja einzusetzen und immer und immer wieder Glyfosat zu sprühen.“
Monsanto und die Landwirte, die seine Produkte einsetzen, bestehen darauf, dass Glyfosat immer noch ein wirksames Produkt sei, welches mehr als 300 Unkrautsorten einschränkt. Aber das Unternehmen bestätigt auch, dass es möglicherweise den Zeitraum unterschätzt hat, in dem Unkraut gegen die Chemikalie resistent wird und dass es Farmer bereits früher zu diesem Thema hätte unterrichten müssen.
„Mit dem Vorteil der nachträglichen Einsicht hätten wir mit Instruktionen aggressiver sein sollen,“ meint John Combest, ein Monsanto-Sprecher. „In der Branche hätten uns mehr Diskussionen über Diversität und moderne Vorgehensweisen gut getan.“
Viele Farmer weisen aber darauf hin, dass die Wirkungskraft von Roundup eine Versuchung darstellte, sich in Wohlbehagen einlullen zu lassen. „Glyfosat ist eindeutig das billigste Unkrautvertilgungsmittel am Markt, und das ist Teil des Problems,“ meint Hunt. „Es ist einfach.“
Monsanto und andere Gentechnik-Player kooperieren mit Universitäts-Auslegern und Farmer-Organisationen, um Landwirte zum Einsatz von anderen Herbiziden zu bewegen, die auf andere Weise funktionieren. Im Falle von Südstaaten-Farmern bietet Monsanto sogar Hilfsgelder – etwa 12 Dollar pro acre (= etwa 30 Dollar pro Hektar) – als Anreiz dafür an, die Produkte anderer Hersteller zu verwenden, um Roundup existenzfähig zu halten. Das Unternehmen kündigte kürzlich auch die Markteinführung eines neuen Herbizids namens Warrant an, das bei Baumwolle und Sojabohnen verwendet werden kann und in einigen Regionen wirksam ist.
Mittlerweile stellt sich der Rückgang des Roundup-Geschäfts als grösste Bremse in Monsantos Ertragssituation dar. Im vergangenen Quartal ist bei Monsanto der Umsatz von Roundup und von Glyfosat um 56 Prozent zurückgegangen. Grund: eine Flut von gattungsmässigen Unkrautvernichtern aus China sättigte den amerikanischen Markt und zwang Monsanto zur Reduzierung seiner Preise.
„Es gibt etliche chinesische Glyfosathersteller, sodass es ein grosses Überangebot gibt, was wiederum Druck auf die Gewinne ausübt,“ sagt Jeff Windau von Edward Jones & Co. „Nun haben wir dazu noch dieses ‚superweed‘-Problem.“
Für Farmer bedeutet Herbizid-Resistenz zusätzliche Arbeit und zusätzliche Kosten, die bei weiteren Produkten und Methoden entstehen.
„Wir sprühen mehr,“ meint Hurst. „Der Trick ist, Chemikalien und völlig unterschiedliche Vorgehensweisen abzuwechseln; dabei müssen wir vermutlich auf ältere Chemikalien zurückgreifen.“
Einer der Vorteile des Roundup Ready-Systems, auf den Landwirte hinweisen, ist dass es weniger erosionsfördernde Bodenbearbeitung oder das Unterpflügen von Unkräutern bedeutet. „Es lässt uns Mutterboden einsparen,” erklärt Hurst.
Nun verlegen sich Farmer wieder auf Bodenbearbeitung und umweltschädliche Chemikalien, die sie seit Jahrzehnten nicht eingesetzt haben. Der Erfolg von Roundup lässt wenig Optionen offen.
“Es hat uns auf einen schmalen Pfad geführt,” sagt Rick Oswald, Vorsitzender des Bauernverbandes von Missouri. „Die meisten Chemieunternehmen haben die Entwicklung anderer Herbizide eingestellt, sodass es nur noch Roundup gibt oder Dinge, die es bereits vor 20 Jahren gab.“
Einige Farmer bestätigen, dass sie auf konventionelle Herbizidsorten zurückgreifen, weil sie keine höheren Preise für ein Roundup-System zahlen wollen, das nicht mehr so funktioniert wie es das einst getan hat. Aber einige jüngere Farmer haben ihren Beruf nie anders betrieben.
„Sie kennen nur Glyfosat,“ sagt Hurst. „Aber wir müssen uns verbessern. Es bedarf einer Menge an vorausschauender Planung, das ist sicher.“
Author: Georgina Gustin
Copyright © 2010, St. Louis Post-Dispatch
Reproduced from Soyatech eNews, July 27, 2010
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